5. März bis 7. Mai 2006
Zwischen Tag und Traum - Max Klinger (1857-1920) - Graphische Zyklen
Er war zu seiner Zeit nicht nur berühmt, sondern auch in weiten Kreisen populär, der Maler, Bildhauer und Graphiker Max Klinger (1857-1920). Ein Spross der Gründerzeit, steckte er aber nicht nur in klassizistischer Formensprache die Sehnsuchtshorizonte seines Publikums ab. Intuitiv seiner Zeit vorgreifend, artikulierte er verborgene Ängste und rückte den Symbolismus an die Schwelle der Moderne. Die Ausstellung präsentiert mit zehn Radierzyklen, von denen zwei zum Besitz des Museums gehören, und acht Leihgaben der LETTER Stiftung, Köln, die graphischen Hauptwerke Klingers. Sie erzählen in antikisch-mythologischer Gewandung, aber auch in zeitgenössischem Habitus von den großen Themen, die damals und heute die Menschen bewegten und bewegen, Liebe, Glück, Verhängnis, Tod. Beeindruckende Naturschilderungen bezeugen Klingers stupendes Einfühlungsvermögen in die Stimmungswerte der Landschaft. Seine Protagonisten werden in eine Szenerie gestellt, die ihr Innenleben widerzuspiegeln scheint und gleichzeitig überhöht.Klingers glänzende künstlerische Begabung zeigt sich auch in technischer Hinsicht. Die Radierungen, zumeist kombiniert mit dem flächendarstellenden Aquatintaverfahren, sind brillant in der Umsetzung und haben alle Qualitäten des Mediums, samtigschwarze Tiefen, zarte Valeurs, die sich mit dramatischen Hell-Dunkel Kontrasten abwechseln. Berühmt geworden ist vor allem sein zehnteiliger Zyklus „Paraphrase über den Fund eines Handschuhs, Opus VI“ von 1881. Eine Liebesgeschichte mit autobiographischen Zügen ist nur noch bloßer Vorwand für phantastisch-irreale Handlungsstränge. Hier weist Klinger mit schon surrealistisch anmutenden Mitteln weit in die Zukunft.
Katalog: "Zwischen Tag und Traum", ISBN 978-3-936542-22-6, 200 S., 14,80 €
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