16. November 2008 bis 8. Februar 2009 Erstmals zeigt das Clemens-Sels-Museum eine umfangreiche Ausstellung zum Werk von Pablo Picasso. Anhand von über 100 Grafiken aus exquisiten Sammlungen, mehr als 50 selten gezeigten Fotografien und zahlreichen, mittels einer Hörstation abrufbaren Aussagen des Künstlers wird in der Ausstellung Picassos, für sein Werk so fundamentales Thema des künstlerischen Selbstverständnisses in einer innovativen und gattungsübergreifenden Form dokumentiert. Für das Clemens-Sels-Museum ist es eine besondere Ehre und Freude, dass Claude Picasso, der Sohn des Künstlers, zugesagt hat, die Schirmherrschaft für dieses Ausstellungsprojekt zu übernehmen.
Pablo Picasso - Kreativität und Schaffensdrang
Einblicke in sein künstlerisches Selbstverständnis
„Alle Menschen haben das gleiche Potential an Energie. […] Ich verschwende die meine auf eine einzige Sache: meine Malerei.“ Diese von Françoise Gilot überlieferte Äußerung Picassos erhellt schlaglichtartig sein künstlerisches Selbstverständnis. Diesem Thema widmet Picasso seit den ausgehenden 1920er Jahren bis in die späten 1960er Jahre einen erheblichen Teil seiner grafischen Arbeiten. Beginnend mit der Illustration zu der Balzac-Novelle „Le chef-d’œuvre inconnu“ aus dem Jahre 1927 visualisiert Picasso mit der Alter Ego-Figur des Malers und des Bildhauers seine Selbsteinschätzung als permanent kreativer Künstler. Obwohl diese Selbstsicht bis in die späten Jahre vorherrschend bleibt, werden in der Grafik facettenreiche Modifikationen dieses Themas sichtbar. Die Reflexion über sein Werk, die Zerrissenheit der Künstlernatur und die mit viel Selbstironie präsentierte Neigung zum Voyeurismus werden ebenso thematisiert wie Picassos Ambition, das Mysterium der Kreativität zu entschlüsseln und die Auswirkungen des Alterns nachvollziehbar zu machen.
Die Fotografien von Edward Quinn, Dora Maar und Douglas Duncan, die in Picassos Ateliers entstanden, stellen eine wertvolle Ergänzung zu seinen Grafiken dar. Denn die Aufnahmen, die sowohl dokumentarisch wie inszeniert sind, offenbaren, welche Aspekte seines Schaffens Picasso an die Öffentlichkeit tragen wollte. Die über eine Hörstation abrufbaren Aussagen des Künstlers, die aus seinem unmittelbaren Umfeld überliefert wurden, runden die komplexe Zusammenschau zu Picassos künstlerischem Selbstverständnis ab. 
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher, wissenschaftlicher und durchgehend bebildeter Katalog (gebunden, 240 Seiten, Euro 29.-)
Mit freundlicher Unterstützung durch:
Verein der Freunde und Förderer des Clemens-Sels-Musems Neuss e.V.
Finissage: Picassos Bankett für Henri Rousseau. Lesung von Zeitzeugenberichten.
Sonntag, 8. Februar 2009, 11.30 Uhr
Am Sonntag, den 8. Februar, werden die Freunde der Kunst im allgemeinen und des Meisters Pablo Picasso im besonderen noch einmal die Möglichkeit haben, die große und konzentrierte Graphikausstellung zu besuchen, die seit dem 16. November des vergangenen Jahres im Clemens-Sels-Museum für eine ganz spezielle Spannung gesorgt hat. Und auch zur Finissage hat sich Uta Husmeier-Schirlitz eine unterhaltsam fesselnde Feier ausgedacht: das legendäre Bankett, das Picasso im Jahre 1908 für Henri Rousseau gab, nachdem dieser sein erstes Gemälde verkauft hatte – und zwar an seinen Gastgeber selbst, der für ganze fünf Francs das Portrait de femme erwarb, das er dann freilich sein Leben lang in höchsten Ehren hielt.
Pablo Piasso und seine damalige Lebensgefährtin Fernande Olivier wohnten, besser: hausten damals im Bateau-Lavoir, einem völlig heruntergekommenen Holzhaus auf dem Montmartre, wo viele, die später zu größtem Ruhm gelangten, damals ihre bescheidenen Ateliers hatten. Das Bankett zu Ehren von Henri Rousseau ereignete sich in Picassos Studio und bewegte sich, was die Prominenz der Anwesenden angeht, auf demselben Niveau wie jene historischen Gelage Burgundischer Könige oder Florentiner Fürsten, von denen man bis heute wahre Wunderdinge berichtet: Guillaume Apollinaire, Georges Braque, André Salmon, Constantin Brâncusi, Marie Laurencin, Amedeo Modigliani, der Galerist Wilhelm Uhde, Gertrude und Leo Stein sowie Gertrudes Freundin Alice Toklas waren zugegen, und manche der Anwesenden hielten die Sternstunde der modernen Kunst in Festberichten fest, die der Schauspieler Francesco Russo ab 11.30 Uhr im Clemens-Sels-Museum vorstellen wird.
Das Szenarium muß in der Tat spektakulär gewesen sein, wie zum Beispiel aus Fernande Oliviers Erinnerungen erhellt: Der „Zöllner”, mithin der Ehrengast Henri Rousseau, saß auf einem veritablen Thron – einem Stuhl, den man auf einer Kiste postiert hatte. Das ganze Atelier war mit Fahnen und Lampions geschmückt, und auf einem Spruchband war zu lesen: „Hoch lebe Rousseau!“ Nach den Reden bedankte sich Rousseau gerührt. Er nahm seine Violine, um auf ihr zu spielen: „Dabei bemerkte er nicht, wie das Wachs der Kerzen auf seine Glatze heruntertropfte und einen kleinen Hügel bildete. Braque spielte Ziehharmonika, alles tanzte. Jedermann war schön blau. Nüchtern blieben nur die Geschwister Gertrude und Leo Stein und die Freundin Alice Toklas. […] Das Fest endete, als die Sonne schon am Himmel stand.” (Ursula von Kardorff in Adieu Paris)
Und so endet die Picasso-Ausstellung mit einer Beschwörung der avantgardistischen Geister, zu der Sie herzlich eingeladen sind: Sie können sich sogleich einstimmen lassen auf das, was demnächst im Clemens-Sels-Museum am Neusser Obertor zu sehen sein wird: Auf eigenen Wegen - Henri Rousseau und sein Umkreis lautet der Titel der nächsten Ausstellung, die am 8. März eröffnet wird.
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