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Archäologie |
Abb. links: Salbgefäß in Form eines Silens, 3. Jh.n.Chr.; rechts: Die Via praetoria des Neusser Legionslagers (Rekonstruktion D. Rothacher) |
Neuss gehört zu den ältesten Städten Deutschlands. Zeugnisse seiner bewegten Geschichte, die vom Spätpaläolithikum bis zum 18. Jahrhundert reichen, befinden sich in der archäologischen Sammlung des Museums. Sie beleuchten diejenigen Bereiche der Neusser Kulturgeschichte, für die Schrift- und Sachquellen in nur unzureichender Anzahl vorliegen.
Ur- und Frühgeschichte
Zu den ur- und frühgeschichtlichen Funden der Sammlung gehören Steingeräte von alt- und mittelsteinzeitlichen Rast- und Werkplätzen im Neusser Stadtgebiet, aber auch Funde der Bronzezeit und der Vorrömischen Eisenzeit wie Waffen oder Glasarmringe. Aus Platzgründen kann derzeit nur eine kleine Auswahl dieses Fundspektrums dauerhaft ausgestellt werden.
Römische Zeit
Bereits um das Jahr 16 v.Chr. wurde in Neuss, dem römischen Novaesium, erstmals ein römisches Militärlager errichtet. Es war eine der frühesten römischen Befestigungen in Deutschland. Um 43 n.Chr. entstand ein Legionslager, das Raum für über 6 000 Soldaten bot. Das Kastell wurde zwischen 1887-1900 von dem Neusser Archäologen Constantin Koenen fast vollständig freigelegt. Die nach seinem Entdecker auch als „Koenen-Lager“ bezeichnete Befestigung kann heute als virtuelle Rekonstruktion im Museum erlebt werden. Aus der Zivilsiedlung (vicus) im heutigen Stadtzentrum erwuchs im Laufe der Jahrhunderte die Stadt Neuss.
Im Laufe der vergangenen 150 Jahre wurden im Bereich der ehemaligen römischen Militärlager, Siedlungen und Gräberfelder zahlreiche Funde geborgen, von denen eine reichhaltige Auswahl im Museum gezeigt wird. Waffen und Ausrüstungsgegenstände der Soldaten, Inschriften auf Ziegeln, Keramikgefäßen und Weihesteinen, aber auch Glasgefäße, Götterfiguren und medizinische Instrumente geben spannende Einblicke in den Alltag der römischen Garnison am Rhein.
Mittelalter und Neuzeit
Als eine der wenigen Städte in Deutschland verfügt Neuss über eine nahtlose, mehr als 2000-jährige Geschichte. Aus der spätantiken Siedlung an der Mündung der Krur in den Rhein entwickelte sich im 9. Jahrhundert ein florierender Rheinhafen. Die Handelsstadt im Schatten der romanischen Stiftskirche St. Quirin erlebte verschiedene Blütezeiten, aber auch Kriege wie die burgundische Belagerung von 1474. Vor allem die seit 1985 bestehende kommunale Bodendenkmalpflege hat einen am Niederrhein herausragenden Bestand an mittelalterlichen und neuzeitlichen Funden ergraben, zu den neben Keramik- und Glasgefäßen auch Lederschuhe, Speisereste und Waffen aus der Burgundischen Belagerung gehören. Ein Teil dieser Funde ist im Obertor, einem Stadttor aus dem 13./14. Jahrhundert, das heute zum Clemens-Sels-Museum gehört, ausgestellt.
Die „Kybele-Kultstätte“
1956 entdeckte man am heutigen Gepaplatz in Neuss bei Rettungsgrabungen einen spätantiken Steinkeller. Man hielt ihn seinerzeit für eine "Fossa sanguinis", einen Bluttaufkeller für den Kybele-Kult. Welcher "sakralen" Funktion der Keller aber diente, bleibt derzeit noch im Dunkeln. Besucher können den Keller in dem Pavillon „Fossa Sanguinis“ auf Anfrage besichtigen.
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Video: "Rekonstruktion der steinernen Erfbrücke
bei Neuss-Grimlinghausen,
1. Jahrhundert n. Chr."
Zur vergrößerten Ansicht des
Videos klicken Sie bitte HIER!
Martin Stitz und Carl Pause:
Die Römische Erftbrücke in Neuss Grimlinghausen. (PDF 0,45 MB),
in: NOVAESIUM 2007; Neusser Jahrbuch für Kunst, Kultur und Geschichte 2007